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		<title>Mit gespreizten Beinen</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 23:43:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lynn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal ist das Rot auf meinen Lippen all das Blut, das ich auskotzen möchte und nicht kann. Denn die Galle schwappt über, bricht wie eine Welle in meinem Mund und schlägt gegen die eierfarbenen Zähne. Festungen, die nicht zu stürmen sind, nur von Fäusten, die wie Fremde von außen eindringen, ohne gefragt zu werden. Noch [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=augenmeer.wordpress.com&amp;blog=9663339&amp;post=28&amp;subd=augenmeer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>Manchmal ist das Rot auf meinen Lippen all das Blut, das ich auskotzen möchte und nicht kann. Denn die Galle schwappt über, bricht wie eine Welle in meinem Mund und schlägt gegen die eierfarbenen Zähne. Festungen, die nicht zu stürmen sind, nur von Fäusten, die wie Fremde von außen eindringen, ohne gefragt zu werden. Noch gewollt sind.</p>
<p>Sie sagte mir: »Bulimie ist wie Radfahren. Man verlernt es nie.« Dabei hatte sie dieses Lächeln auf den Lippen, wie eine Porzellanpuppe, deren Farbe langsam vom Gesicht abblättert und Risse aufweist. Wahrscheinlich war sie das, eine Puppe. Zerbrechlich und so klein, dass man ihr am Liebsten Kleider anziehen und sie mit sich herum tragen wollte. Obwohl sie fast zehn Jahre älter als ich war, hätte sie ohne weiteres meine kleine Schwester sein können. Oder mein Kind. Die Jahre dieser körperlichen Zerstörung hatten sie zu einem Kind gemacht, das sich nach Schutz sehnte und sich in den Schlaf weinte. Ich sehe all die Musiker, Tag für Tag, die wie ihre Großeltern wirken. Die Drogen und der Alkohol haben tiefe Gruben in ihr Gesicht gezaubert und all der Tabak verlieh ihnen die Farbe von kaffeeverblichenen Zähnen. Sie wandelten wie gelbe Zombies durch die Welt und gaben jeden Tag ihre Seele auf der Bühne auf. Andere Menschen verkaufen sie dem Teufel, leben schön, ehe sie dann sterben. Die Leute dort oben kriegen nichts zurück, außer Aufmerksamkeit im Stundenabo. Danach sieht sie niemand mehr an. Sie sind Helden für einen Abend. Leben von Moment zu Moment. Das echte Leben, von Anfang bis Ende, hat für sie längst keinen Geschmack mehr.<br />
Und Mimi, wie sie alle nannten, die Mittdreißigerin, die an der Nadel hing und ihren Mageninhalt nach jeder Mahlzeit der Toilette darbot und dabei ihre kleinen Babyzähnchen zerstörte, blickte mich an, als wäre ich der wiedergeborene, feministische Jesus, den es nie geben wird.<br />
»Alles wird gut«, sagte sie, doch an dem Funkeln ihrer tränennassen Augen erkannte ich, dass sie genau das von mir hören wollte. Lauschte sie dem Echo ihrer eigenen Stimme und stellte sich vor, ich hätte es ihr ins Ohr geflüstert? Arme Mimi. Der Strohhalm bricht unter deinem Gewicht.<br />
»Wird es sicherlich«, erwiderte ich und reckte das Kinn nach vorne, während meine kohlebesuddelten Fingerspitzen über meine Augenlider zuckten und Farbe auf der weißen Leinwand meines Gesichts hinterließen. Kleine Fehler, für die jeder Künstler sein Meisterwerk vernichtet hätte. Ich war ein einziger Fehler. Und ich liebte es. »Sind ja nur drei Tage die Woche.«<br />
Sie nickte auf meine Worte, mit dieser resignierten Körperhaltung, den hängenden Schultern und den verbitterten Mundwinkeln. Kleine, negative Kommas, die ihre vollen Lippen einrahmten.<br />
Egal, wie sehr ich mich bemühte, sie nicht anzusehen, so sah ich ihre bemitleidenswerte Gestalt im Spiegelbild wie meinen eigenen Schatten.<br />
»Hey, Mimi«, meinte ich und drehte mich in einem Zug um. Ich lehnte mich gegen die Kommode, presste mein Becken gegen das dreckige Holz. »Ich mache das ja freiwillig. Zwingt mich ja niemand.«<br />
Sie presste die Lippen fest aufeinander, als wollte sie kein einziges Wort aus ihrer Kehle lassen. Dann nickte sie, nickte und nickte. Schüttelte ihr blondes, krauses Haar hin und her und zwang sich zu einem »Ja«, das sie mehrfach wiederholte.<br />
»Ich meine«, fuhr ich fort, »das sind ein paar Männer. Die  machen mit mir auch nur die Dinge, die ich mit einem Freund tun würde. Mit der Ausnahme, dass ich davon am Ende wenigstens was habe: Orgasmus und Geld.« Ich kehrte Mimi den Rücken zu und starrte wieder in mein eigenes Gesicht. Die Akne schien wie eine Ameisenkolonne über meine Wange zu marschieren. Ich griff mir den Puder und versuchte die Makel der Jugend zu ersticken. »Orgasmus und Geld«, sagte ich erneut und es klang wie eine Formel aus meinem Mund. Wie das Gebet einer Göttin mit gespreizten Beinen.</p>
<p>___</p>
<p>Bild: bajstock.com</p>
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		<title>Pandora</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 18:47:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lynn</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-25" title="1136463_alone" src="http://augenmeer.files.wordpress.com/2009/11/1136463_alone.jpg?w=497" alt="1136463_alone"   />Es war ein Lächeln, das sich auf ihren sinnlichen Lippen abzeichnete, als sie die Paare betrachtete, die sich wie Verliebte aus der Box schoben, um den Tag zu durchleben. Ein Lächeln, das nie den Weg in ihre Augen fand. Sie senkte die Lider, versteckte die Trauer einer einsamen Seele unter den schwarzen, dichten Wimpern und atmete nur ein. Ihre Lungen füllten sich mit Luft, welcher sie längst überdrüssig war. Und trotzdem hörte sie nicht auf. Weil sie es tat, um den Geschöpfen nah zu sein, deren Leben sie beneidete. Begehrte. Es war nicht nur das Blut, dass sie immer wieder in die Nähe von Menschen trieb, nein. Es war die Sehnsucht nach ihren Leben. Die Sehnsucht, für einen Augenblick aus dem eigenem Körper zu entschwinden und dem verhassten Schicksal den Rücken zuzuwenden. Nur ein Tag, eine Nacht hätte ihr genügt. Vielleicht auch nur eine Stunde.<br />
Sie hätte ihre Unsterblichkeit und alles, was sie besaß, aufgegeben, um so zerbrechlich und menschlich zu sein, wie jene Geschöpfe, die sich Tag für Tag in ihr Lokal verirrten. Ein schlagendes Herz in der Brust, eine warme Haut, die sich nach Nähe sehnte und die Träume in der Nacht, die einem das Fürchten lehrten und widerrum ins Paradies entführten.<br />
Selbst vor ihrem geistigen Augen ertrug sie die Schönheit all jener Dinge nicht, die sie nie erreichen würde. Die Götter hatten ihr eine Chance gegeben – die Chance auf ein Leben.<br />
Doch was war ihr menschliches Leben schon gewesen, außer ein einziger Makel, der ihre Erinnerungen wie eine Narbe zierte? Sie hatte einen Mann an ihrer Seite gehabt, der nie auf den Klang seines Herzens gehört hatte und sich ihrer mit Gewalt hörig gemacht hatte. Aber all die Nächte, in denen sie sich vor Schmerz in den Schlaf geweint hatte, waren nichts, absolut nichts gegen die Tage, an denen sie die kleinen Geschöpfe ihrer Liebe zu Grabe hatte tragen müssen. Ihre Kinder. Jedes so klein und zerbrechlich; zu zart für die Welt, zu zart für das Leben. Selbst heute, Jahrtausende später, meinte sie, das kaum vorhandene Gewicht des unfertigen Kindes in ihren Händen zu spüren. Pandora wandte sich ab, kehrte den Gästen den Rücken zu, als sie meinte, den herben Duft der römischen Erde zu riechen. Reine Einbildung, sagte sie sich rasch im Stillen. Dennoch blieb der Geruch in ihrer Nase. So wie die Erinnerung nie aus ihrem Kopf verschwinden würde, als sie jedes ihrer verstorbenen Kinder heimlich im Eck des Peristyls begrub. Aus Angst, ihr Mann würde das unfertige, gescheiterte Leben den Hunden zum Fraß vorwerfen. Er war es nicht gewesen, der sie unter dem Herzen getragen hatte. Ein jedes einzelne von ihnen. Und mit jedem Kind, das der Tod an sich riss, schien er auch ein Bruchstück ihres Herzens mit sich genommen zu haben – Pandora begrub sie mit den Kindern unter den Kastanienbäumen.<br />
Als ihr Mann sie dann verlassen hatte – den banalen Grund der Unfruchtbarkeit zu Ausrede – und ihren Stolz in Scherben zurückgelassen hatte, als sie wie eine getretene Hündin zurück in ihr kriechen musste, war der Mensch in ihr längst gestorben. Noch bevor ihr Bruder ihr die Unsterblichkeit mit einem blutigen, bittersüßen Kuss schenkte.</p>
<p>Er war es auch gewesen, der ihr über das dichte, schwarze Haar gestrichen hatte, während seine Lippen, den ihren so ähnlich, die Worte formten: „Sei nicht traurig, kleine Schwester, Stern der Nacht. Die Zeit heilt jede Wunde und sei sie noch so tief. Nur eines darfst du nicht: aufgeben. Lass die Hoffnung in dir nie verstummen, denn jene Dunkelheit können selbst wir nicht erhellen, kleine Schwester.“<br />
Pandora öffnete ihre Augen und zeigte der Welt, die sie in diesem Moment nicht beachtete, die Schönheit ihrer goldenen Seelenspiegel. In stummer Trauer getränkt – eine Sprache, die niemand verstehen würde. Kein einziges Geräusch vermochte ihre Schritte zu begleiten, als sie zu den Tischen schritt und nach dem unberührten oder benutzten Geschirr griff, um es zu beseitigen. Noch immer waren ihre Mundwinkel sacht erhoben – dieses Mal hingegen wirkte sie verbittert.<br />
„Die Zeit heilt alle Wunden“, lachte sie leise auf und trug das Porzellan zum Tresen. Wie viel Zeit hatte sie mittlerweile schon auf ihren Schultern abgeladen? Längst hatte sie aufgehört, die Tage und Wochen zu zählen. Selbst die Jahre wollte und konnte sie nicht mehr in Zahlen fassen. Doch eines wusste sie: Zeit, ja, Zeit hatte sie stets an ihrer Seite gehabt. Nur wo waren die Narben, die verschwundenen Wunden? Der Schmerz saß noch so tief in ihr, dass sie in eben jenen Moment meinte, daran ersticken zu müssen, auch wenn sie längst nicht mehr atmen musste.<br />
Als Mensch hatte sie alles verloren, was ihr lieb gewesen war: Ihre Kinder. Ihr Bruder, der ihretwegen im Schlund des Feuers sein Leben gelassen hatte. Ihre Familie, die sie verstoßen hatte. Das römische Reich, das die Tore für sie verschlossen hatte.<br />
Naiv wie sie gewesen war, hatte sie auf ein besseres Leben gehofft. Sich eingeredet, als Vampir könnte sie die Ewigkeit nutzen, um das Glück zu erfahren, das den Weg ihres menschlichen Daseins nie gekreuzt hatte. Liebe hatte sie tatsächlich getroffen – kurzlebige Liebe. Ein jeder von ihnen war gestorben oder hatte ihr das tote Herz gebrochen. Letztendlich war sie alleine geblieben. Jahrhundert für Jahrhundert. Das warme Gefühl in der Brust legte sich zur ewigen Ruhe und auch die Hoffnung auf einen Gefährten – selbst wenn die Pfeiler nur Freundschaft tragen würden – wurde leiser, bis sie letztendlich verstummte.</p>
<p>Ihre geschwungenen Lippen erzitterten und entließen ein sehnsüchtiges Seufzen, als sie mit dem Geschirr um den Tresen trat und es abstellte.<br />
Sie würde ewig hier bleiben. Hier in diesem Lokal. Alleine. Niemals würde jemand zwischen Tür und Angel stehen, der mit seinen Augen nur sie sah und nur sie wollte. Der sie entführte und in eigene Welten brachte. Nein, dieses Schicksal war ihr nicht vergönnt &#8230; Die Lettern Einsamkeit brandmarkten ihre Seele und verstümmelten sie, wenngleich ihr Antlitz makellos war. Kaum eine schönere Frau hatte sich zu diesen Zeiten nach Forks verirrt. Nur niemand konnte sehen, wie verletzt sie innerlich war.<br />
„Und niemand wird es jemals sehen“, wisperte sie zu sich selbst, während ihre Finger halbherzig das Geschirr in das Becken legte. Heißes Wasser tröpfelte schwach aus dem Hahn und trommelte gegen das Porzellan. Pandora lehnte sich gegen die Spüle und verschränkte die schlanken Arme vor dem Bauch. Flüchtig ließ sie ihren Blick über die anwesenden Gäste schweifen – es waren wenige und alle zu ihrem Glück beschäftigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>___</p>
<p>Stock: www.sxc.hu</p>
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		<title>Sieg für die Tigerente.</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 22:14:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lynn</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-22" title="bs14_0303090131" src="http://augenmeer.files.wordpress.com/2009/09/bs14_0303090131.jpg?w=168&#038;h=300" alt="bs14_0303090131" width="168" height="300" />Und wir sind enttäuscht.<br />
Falls sie das fragen. Oder sich dafür interessieren.<br />
Wir sind KOMPLETT enttäuscht.</p>
<p>Deutschland wurde die Chance gegeben, endlich etwas zu verändern und mal wieder wurde der vertraute Weg eingeschlagen. Routine. Es ist zweifelhaft, ob CDU/CSU jemals ihr Treppchen verlassen &#8211; dass ihre Zahlen gefallen sind, interessiert nicht. Das Königskrönchen tragen sie ja immer noch.</p>
<p>Doch es gab auch positive Zahlen: Die Grünen, wie auch die Linken (die beide im heutigen Tagebucheintrag eine kleine Nebenrolle spielen und auf dem Spielplatz der Metaphern toben) haben an Stimmen gewonnen. Die CDU/CSU sank und die SPD löste sich fast vollkommen in Schall und Rauch auf. Die FDP erwähnen wir hier nicht weiter. Nicht, weil wir etwas gegen Herrn  Westerwelle haben (nein, im Gegenteil &#8230; wir mögen Schwule), sondern weil &#8230; nun &#8230; FDP. FDP! Verstehen Sie?!</p>
<p>Außerdem möchten wir einen Glückwunsch an die Piratenpartei aussprechen, die einen guten Start mit rund 2 % hinlegten.<br />
In vier Jahren überwinden sie sicherlich die 5 %-Hürde &#8211; sie müssen nur daran arbeiten, nicht vergessen zu werden. Nicht, dass alles in einer Art &#8222;Trend&#8220; verloren geht und man keine Interesse mehr an den Politikern der Zukunft, mit ihren schwarzen Augenklappen, verliert.<br />
Hier heißt es: am Ball bleiben!</p>
<p>Alles in allem sind die Wahlen trotzdem eine herbe Enttäuschung. Nein, anders: eine Katastrophe! Mittlerweile ist es 00:09 Uhr und ich bezweifle, dass ich heute ein Auge zubekomme.<br />
Irgendwie fürchte ich mich schon vor den Albträumen, wo Tigerenten, Bienen und Hornissen die Hauptrolle spielen. Morgen erwache ich sicherlich mit einer politischen Schockallergie (sollte es eine solche geben! Wenn nicht, existiert sie seit den heutigen Wahlen!).</p>
<p>Aber wir sollten nicht alle Träume begraben (wie Sie in unserem Tagebucheintrag lasen), die Scherben jedoch ebenfalls nicht unter den Teppich kehren. Stattdessen heißt es: die Welt verändern.<br />
Auch wenn wir die Politiker unserer Wahl nicht an der Spitze sehen, so können wir dennoch versuchen, unsere Interessen durchzusetzen.</p>
<p>Gemeinsam sind wir stark, um es mit viel Klischee auszusprechen.</p>
<p>Es liegt nicht an Politikern. Es liegt an den Bürgern.</p>
<p>In diesem Sinne, eine erholsame Nacht samt politischen Allergieschock.</p>
<p>__</p>
<p>Bild: bajstock.com</p>
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		<title>Traumscherben</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 21:54:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lynn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum tut er das? Warum ausgerechnet jetzt? Wie lange laufe ich ihm mittlerweile nach? Unzählige Monate, die mich alle an den Rande des Wahnsinns gebracht haben. Ich konnte nicht essen, wann immer meine Gedanken sich zu ihm verirrten. Der Schlaf war mir verhasst, weil sein Gesicht vor meinen geschlossenen Lidern tanzte und mich wach hielt. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=augenmeer.wordpress.com&amp;blog=9663339&amp;post=14&amp;subd=augenmeer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum tut er das? Warum ausgerechnet jetzt?<br />
Wie lange laufe ich ihm mittlerweile nach? Unzählige Monate, die mich alle an den Rande des Wahnsinns gebracht haben.<br />
Ich konnte nicht essen, wann immer meine Gedanken sich zu ihm verirrten. Der Schlaf war mir verhasst, weil sein Gesicht vor meinen geschlossenen Lidern tanzte und mich wach hielt. Jede Vorlesung wurde zu einem einzigen Kampf der Konzentration: Keinen einzigen Satz des Professors konnte ich mir merken. Bücher, die ich las, musste ich kurz danach erneut lesen, weil sich kein einziges Wort bei mir festgesetzt hatte.</p>
<p>Gedanklich war ich schon immer seine Sklavin, gewusst hat er es wohl nie. Warum eigentlich nicht? Blind und taub &#8230; das schien er nicht zu sein.</p>
<p>Trotzdem bemerkte er mein peinliches Winken in der Mensa nicht, meine schüchternen Begrüßungen, wenn er an mir vorbeikam. Die Bemühungen, ihm aufzufallen,  indem ich über meinen Schatten sprang und die Lauteste in unserer kleinen Übungsgruppe wurde.<br />
Auf Studenten-Partys versuchte ich die Schönste zu sein, quälte mich dafür Stunden im Bad. Wozu? Er sah immer durch mich hindurch. Als wäre ich nicht existent.</p>
<p>Ironischerweise bemerkte er mich das erste Mal, als ich schrecklich aussah und mich auch so fühlte. Weit weg vom kleinen Planeten &#8216;Perfekt&#8217;.<br />
Es war vorhin. Vorhin nach der Wahl.</p>
<p>Ich saß am dem Brunnen auf dem Unigelände und die Tränen hatten mein Gesicht in das Kunstwerk eines Zweijährigen verwandelt: Die Schminke hatte schwarze Streifen in meinem blassen Gesicht hinterlassen, als hätte ich Tränen aus Teer vergoßen. Meine Unterlippe war wund, zerbissen vor Aufregung, dann vor Enttäuschung. Ich kauerte als menschliche Ruine fernab der versammelten Studenten und schluchzte in meinen roten Schal.<br />
Zwar hatte ich mich erst seit wenigen Monaten mit Politik beschäftigt, doch eine solche Leidenschaft dafür entwickelt, dass es sich heute Abend angefühlt hatte, als wäre eine Welt zusammengebrochen. Darunter begraben: Ich.</p>
<p>Ich zog mir den roten Schal über die Nase und wandte mich demonstrativ ab, als ich Schritte vernahm, die sich mir näherten. Kurz darauf folgte ein männliches &#8222;Hey&#8220;, das ich mit einem harschen &#8222;Hau ab!&#8220; in die Flucht schlagen wollte.<br />
Aber er ließ nicht locker. &#8222;Geht es dir gut?&#8220;<br />
&#8222;Sehe ich so aus, als ginge es mir gut?!&#8220;, giftete ich. &#8222;Mir geht&#8217;s beschissen!&#8220; Ich ballte die Hände zu Fäusten und drehte mich um, um dem Möchtegern-Helden deutlich zu machen, <em>wie</em> beschissen es mir ging.<br />
Doch mir stockte sofort der Atem, als ich ihn erkannte. Den Studenten, dem ich seit meinem ersten Semester blind nachgelaufen hatte. Ausgerechnet JETZT war er auf mich aufmerksam geworden?! Das Leben hatte einen einzigartigen (scheiß!) Humor.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-15" title="lrg-1693-photo006_2" src="http://augenmeer.files.wordpress.com/2009/09/lrg-1693-photo006_2.jpg?w=240&#038;h=300" alt="lrg-1693-photo006_2" width="240" height="300" /></p>
<p>&#8222;Na&#8220;, meinte er und zog einen Mundwinkel hoch, um mir ein schiefes Lächeln zu schenken, &#8222;dann geht es dir wie mir. Wir sind wohl heute beide Verlierer.&#8220; Zuerst verstand ich nicht, was er meinte, doch dann deutete er auf ein grünes Tuch, das aus seiner Manteltasche hing.<br />
&#8222;Die Grünen?&#8220;, erkundigte ich mich. Er nickte und zuckte kurz darauf mit den Schultern.<br />
&#8222;Aber wir sollten es positiv sehen: Wir sind stärker geworden.&#8220;<br />
Was für eine Traumwelt, schoss es mir durch den Kopf. In all den Monaten hatte er kein einziges Wort mit mir gewechselt und nun sprach er mit mir, als wäre ich seine beste Freundin. Oder als wären wir zwei Mütter, die sich auf einem Spielplatz über die eigenen Kinder unterhielten, die in unserem Fall &#8222;Grüne&#8220; und &#8222;Linke&#8220; hießen.<br />
Und so abstrus der Moment auch war &#8230; ich wollte nicht diejenige sein, die ihn zerstörte.<br />
&#8222;Mhm &#8230; Du hast recht.&#8220; Ich spielte sein Spiel mit. &#8222;Aber trotzdem &#8230; beschissen.&#8220; Sonst nahm ich nie solche Wörter in den Mund, aber gerade drückte (und drückt) es alles aus, was in mir vorging.<br />
&#8222;Das unterschreibe ich&#8220;, lachte er traurig und in seinen Augen konnte ich deutlich die Enttäuschung über die Wahlergebnisse sehen. Schwerfällig ließ er sich neben mir auf der Kante des Steinbrunnen fallen und lehnte sich so weit nach hinten, den Kopf in den Nacken gelegt, dass ich befürchtete, er könnte jeden Moment ins Wasser fallen.<br />
&#8222;Jetzt werden wir von Bienen regiert.&#8220;<br />
&#8222;Tigerenten&#8220;, erwiderte ich mit einem zaghaften Lächeln, während ich mit meinem Pulliärmel die Tränen wegwischte, die noch an meinen Wangen klebten.<br />
&#8222;Ja, genau!&#8220; Er lachte erneut und sein Blick streifte mich von der Seite. &#8222;Ich mochte ja damals schon immer den Frosch lieber&#8220;, gestand er.<br />
&#8222;Ich auch&#8220;, meinte ich mit einem Nicken und fühlte mich ihm für diesen Atemzug, diesen kurzen Gedankengang nah. Unglaublich nah.<br />
&#8222;Und was tun wir jetzt?&#8220;, fragte er mich und schien in den Sternen die Antwort zu suchen.<br />
&#8222;Vier Jahre jammern?&#8220;<br />
&#8222;Könnten wir tun.&#8220; Er seufzte. &#8222;Aber es würde nichts bringen. Wir sollten nach vorne schauen. Irgendwie &#8230;&#8220;<br />
&#8222;Leichter gesagt, als getan.&#8220;<br />
&#8222;Ja, ich weiß.&#8220;<br />
Ich zog die Beine an, bis ich meine Knie an meinem Bauch spürte, dann schlang ich die Arme um sie und musterte sein Profil ausführlich. So, wie ich es all die letzte Zeit zu jeder Gelegenheit getan hatte. Mittlerweile hätte ich es blind aufzeichnen können; er war mir vertrauter, als irgendein anderer Mensch.<br />
&#8222;Wie wäre es mit morgen?&#8220;, fragte er plötzlich in die Stille hinein.<br />
&#8222;Was?&#8220; Ich starrte ihn perplex an und spürte, wie mein Puls beschleunigte.<br />
&#8222;Die Welt verändern.&#8220;</p>
<p>Ja, lasst uns die Welt verändern &#8230;</p>
<p>____</p>
<p>Bild: Bajstock.com</p>
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		<title>Einen Augenblick, bitte.</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 23:26:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lynn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zuerst möchte ich sagen:  Welch Pech, dass Sie sich hierher verirrt haben! Sicherlich hatten Sie mit einer interessanteren Seite gerechnet, wo auch immer Sie den Link entdeckt hatten. Möglicherweise hatten Sie auch mit einer Seite eines Optikers gerechnet, da der Titel &#8222;Augenmeer&#8220; etwas verwirrend sein könnte. Nach eben jenem Satz werden Sie sich fragen: Was [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=augenmeer.wordpress.com&amp;blog=9663339&amp;post=10&amp;subd=augenmeer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zuerst möchte ich sagen:  Welch Pech, dass Sie sich hierher verirrt haben!<br />
Sicherlich hatten Sie  mit einer interessanteren Seite gerechnet, wo auch immer Sie den Link entdeckt hatten. Möglicherweise hatten Sie auch mit einer Seite eines Optikers gerechnet, da der Titel &#8222;Augenmeer&#8220; etwas verwirrend sein könnte.</p>
<p>Nach eben jenem Satz werden Sie sich fragen: Was bedeutet &#8222;Augenmeer&#8220;? Ich sage es Ihnen gerne, denn ich wünsche mir, dass Sie nicht mit dem Finger auf mich deuten und verstehen, was hier passiert.</p>
<p>&#8222;Augenmeer&#8220; bezieht sich auf die Vielzahl an Augenblicken, an Perspektiven und Geschichten|Tagebucheinträgen, die Sie hier auf dieser Plattform lesen können.<br />
Und weil ich nur ein normaler Mensch bin, haben die Texte auch Fehler und sind langweilig. Nicht alle haben Sinn, nach einer Pointe suchen Sie vergebens. Vieles wurde nur geschrieben, weil Bilder freigelassen werden und Finger tippen wollten.<br />
Vielleicht auch nur, um eine schizophrene Seele zu befriedigen.</p>
<p>Wer weiß das schon! Ich nicht. Wissen Sie es?<br />
Nicht? Dann nehmen Sie bitte endlich den Finger runter und lassen Sie das erstaunte Gesicht.</p>
<p>Ich bin doch auch nur ein Mensch. Mit vielen Gesichtern. Vielen &#8230; Augen.</p>
<p>P.S. Sie sehen richtig &#8211; meine Einleitung steht NACH dem ersten Artikel. Alles Absicht, lieber Leser.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/augenmeer.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/augenmeer.wordpress.com/10/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=augenmeer.wordpress.com&amp;blog=9663339&amp;post=10&amp;subd=augenmeer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Will ich?</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 23:04:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lynn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Sophie Jack Tagebuch Geburtstag Hochzeit Liebe Eltern Zwang Angst Druck Nähe]]></category>

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		<description><![CDATA[Zweiunddreißig. Die Anzahl der Küsse, die er auf  meinem Gesicht hinterließ. Seine  Lippen bedeckten meine Wangen,  liebkosten meine Stirn, legten sich wie  Schutzschilder auf meine Augenlider  und fanden letztendlich doch wieder  zurück zu jener Stelle, die selbst so  begierig nach seinen Lippen lechzte. »Alles Gute zum Geburtstag.« Er legte  mir die Worte regelrecht in den Mund [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=augenmeer.wordpress.com&amp;blog=9663339&amp;post=5&amp;subd=augenmeer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-8" title="lrg-1865-bs13_080209583" src="http://augenmeer.files.wordpress.com/2009/09/lrg-1865-bs13_0802095831.jpg?w=240&#038;h=300" alt="lrg-1865-bs13_080209583" width="240" height="300" /></p>
<p>Zweiunddreißig.<br />
Die Anzahl der Küsse, die er auf  meinem Gesicht hinterließ. Seine  Lippen bedeckten meine Wangen,  liebkosten meine Stirn, legten sich wie  Schutzschilder auf meine Augenlider  und fanden letztendlich doch wieder  zurück zu jener Stelle, die selbst so  begierig nach seinen Lippen lechzte.<br />
»Alles Gute zum Geburtstag.« Er legte  mir die Worte regelrecht in den Mund  und ich spürte, wie sein heißer Atem  gegen den meinen stieß.</p>
<p>Noch immer lag ich blind in seinen Armen und konzentrierte mich nur auf die Gefühle, die wie Stromschläge durch meinen Körper schossen. Hätte ich ihn angesehen, wäre alles in mir taub geworden. Zu sehr hätte mich seine Perfektion plus Makel geblendet.  Womöglich hätte ich nie wieder den Blick von ihm wenden können.</p>
<p>Tatsächlich war es mir so lieber &#8230; Seine Haut ganz dicht auf der meinen zu spüren und mich ihm hingeben. Vollkommen. »Alles Gute zum zweiunddreißigten Geburtstag.«<br />
Ich biss mir unweigerlich auf die Zunge, kaum, dass seine Worte mein Ohr erreicht hatten.<br />
Doch der Liebste an meiner Seite reagierte schnell: »Stell dich nicht so an.« Er lachte leise und sein Körper, der mir Halt bot und schenkte, vibrierte. »Das ist doch das perfekte Alter.«<br />
»Wozu? Um die Rente zu beanspruchen?«, stöhnte ich und zerstörte meine Traumwelt, indem ich die Augen öffnete und in seine grauen Augen blickte. Es war nicht meine Schuld: Er hatte die Tür aus der Schönheit des Moments erschaffen – ich war nur hindurchgegangen, nachdem er mich fast gestoßen hatte.<br />
»Es ist perfekt«, raunte er mir zu und beugte sich zu meinem Gesicht, »um zwischen wildem und erwachsenem Leben zu tanzen.«<br />
»Wirklich? Wilde Leben?« Der spöttische Unterton war kaum zu überhören. »Hat man das nicht bereits mit zwanzig abgelegt?«<br />
»Andere vielleicht.« Sein Zeigefinger fuhrt meinen Nasenrücken entlang. »Wir sind anders.«<br />
»Du bist anders«, widersprach ich sofort energisch.<br />
»Warum?«<br />
»Du willst mir einreden, ich wäre noch jung.« Mühselig rappelte ich mich auf und entzog mich so seiner Nähe. Die Realität fernab seines Körpers war kalt und augenblicklich fröstelte ich. Ich ließ meine Hände über meine Oberarme streichen und schenkte mir somit flüchtige Wärme.<br />
»Das bist du ja auch.«<br />
»Nein, ich bin in einem Alter, wo ich bereits Kinder haben sollte. Mutter. Hausfrau. Ehefrau!« Ich spuckte das letzte Wort aus. Meine Eltern starrten bei jedem Besuch penetrant auf meinen Ringfinger. Seit sie von Jack erfahren hatten, kamen zu ihren Blicken auch noch peinliche Fragen hinzu. Minderjährige, die den ersten Freund mit nach Hause brachten, konnte es nicht besser gehen.<br />
»Dann lass uns heiraten«, sagte er ganz plötzlich und ich drehte mich um, damit ich sein Gesicht sehen konnte. Um zu erfahren, ob er schelmisch grinste oder mit den Augen rollte. Aber was ich sah, war das Gesicht eines ernsten, erwachsenen Mannes, der sich endlich wieder rasieren sollte.<br />
»Was?«<br />
»Lass uns heiraten«, wiederholte er mit samtener Stimme.<br />
»Hast du mit meiner Mutter telefoniert?«<br />
Nur war er es: »Was?«<br />
»Schon gut &#8230;« Ich winkte ab. »Wir haben gelacht, Jack. Danke für den Geburtstagsscherz.«<br />
»Nein, Sophie, ich meine es ernst.«<br />
Ich drehte mich erneut zu ihm um und zog die Augenbrauen zusammen. »Wie ernst?«<br />
»Ähm &#8230;« Er blinzelte irritiert. »Winterschlafernst?«<br />
»Winterschlafernst?« Meine Augenbraue zuckte.<br />
»Du wolltest, dass ich dir irgendein &#8216;ernst&#8217; gebe!«, verteidigte er sich sichtlich irritiert.<br />
»Ja &#8230; Schon gut.« Erneut bewegte sich meine Hand in einer Bewegung, die deutlich machen sollte, dass wir das Thema begraben könnten. Taten wir aber nicht.<br />
»Sophie!«, rief er aus und ich zuckte zusammen.<br />
»Was ist, Jack?«<br />
»Heirate mich!« In seinen Augen befand sich der Glanz einer Emotion, die ich von ihm nicht kannte. Auch in anderen Augen noch nie wirklich oft gesehen hatte. Aber es zeigte mir, dass er es wirklich wirklich &#8230; ernst meinte. Winterschlafernst.<br />
»Aber &#8230;«, stammelte ich.<br />
»Nichts da!«, unterbrach er mich mit fester Stimme. »Heirate mich!«<br />
Ich starrte ihn perplex an und merkte, wie mir der Unterkiefer nach unten klappte.<br />
»Was &#8230; was ist nun?«, fragte er nach einer Weile ungeduldig nach.<br />
»Tut mir leid, Jack, aber &#8230;« Ich fuchtelte wild in der Luft herum und zerstörte damit so manchen Traum von mir, der mich wie ein Glühwürmchen umschwärmt hatte. Jacks Augen wurden von einer Sekunde auf die andere matt, entmutigt von diesem kleinem Wort &#8216;aber&#8217;. Dabei &#8230;<br />
»Tut mir leid, Jack, aber du hast mir ja keine Frage gestellt, also kann ich nicht antworten.« Mein schallendes Gelächter füllte den Raum aus und ich spürte, wie seltsam angenehm es war. Als würde jedes Zittern meines Körpers, ausgelöst von dem Lachen, die Mauer jahrelanger Ängste zum Fall bringen.<br />
»Willst du mich heiraten?« Das Lächeln seiner vollen Lippen fand einen Weg in seine Augen, während er langsam zu mir krabbelte und wieder meine Nähe suchte.<br />
Er schlang seine Arme um mich und in dem Moment, wo seine Lippen sich auf mein Schlüsselbein pressten, lachte ich ein heiseres, aber unbeschreiblich glückliches: »Ja! Ja, ich will!«</p>
<p>____</p>
<p>Bild: Bajstock.com</p>
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